Die digitale Welt rund ums Auto

Gute alte anaologe Zeit...
Nach der wilden Schrauberzeit an einer Vielzahl an Mopeds (wir haben in einem gesonderten Artikel darüber berichtet) war der Wunsch nach einem leistbaren Auto groß. Viel Auswahl gab es damals für kleines Budget nicht, neben einem Mini gab es Käfer und Enten. Die Eltern hatten einen VW Bus (Bulli), den wir als auch als einfaches Wohnmobil zur Übernächtigung nach Partys nutzten. So hießen damals die bekanntesten Autos. Da es für den VW Käfer oft gebrauchte Ersatzteile gab, fiel die Wahl auf dieses Fahrzeug. 20 Jahre alt, Kilometerstand unbekannt (der Zähler zeigte nicht mehr als 100 000 km an) und verblasstem Rot erstand ich mein erstes fahrbares Auto für 2000 Schillinge (rund 150 Euro) aus dem Bazar, dem analogen Zeitungsvorläufer von Willhaben.

Die Technik des Autos war schnell erlernt, und Ersatzteile gab es in Hülle und Fülle beim „Ausbadler“ – Autoverwerter - Schrottplatz. Selbst komplette Motoren und Getriebe konnte man für kleines Geld bekommen, und der Einbau war in wenigen Minuten erledigt (der Weltrekord liegt bei knapp über einer Minute). Mit einfachem Werkzeug – Schraubenzieher, Zange, sowie einem 10er- und 13er-Schlüssel – ließ sich der Wagen fast vollständig zerlegen. Tuning war angesagt: Motoren aus dem VW Bus, dem VW Variant oder sogar aus dem VW Porsche 914 waren bauartgleich. Ein einfaches Reparaturbuch („Jetzt helfe ich mir selbst“) diente uns als Fachliteratur - unser damaliges kostengünstiges anaologes DIY-Verfahren. Schnell war ein Käfer zum Cabrio aufgeschnitten oder zu einem Buggy (z. B. von Ledl) umgebaut. Autofahren war zwar cool, doch unsere eigentliche Leidenschaft galt dem Basteln an den alten Fahrzeugen – quasi zum Nulltarif. Typisierungen aller Art waren weitgehend problemlos, was heute absolut nicht mehr vorstellbar ist.

Die digitale Welle verändert..
35 Jahre später hat sich die Autolandschaft stark verändert. Viele neue Marken und Modelle sind am Markt verfügbar, der Gebrauchtwagenmarkt ist mittlerweile fast unüberschaubar. Durch Importe aus dem nahen und fernen Ausland stehen einem alle Möglichkeiten offen, ein Neu- oder Gebrauchtfahrzeug zu erwerben. Der Bazar ist zwar online, aber längst nicht mehr die Referenz, um Gebrauchte zu kaufen. Plattformen wie Willhaben, Autoscout.at oder Mobile.de listen mittlerweile tausende Fahrzeuge. Der Käfer wurde zum Beetle (mittlerweile eingestellt), der Mini von BMW modernisiert – ebenso wie der Fiat 500 ein Revival erlebt hat. Die „Ente“ gibt es längst nicht mehr neu, dafür aber eine Vielzahl anderer Autos und Marken. Manche Gebrauchte sind sogar schon um 150 Euro erhältlich – allerdings nicht mehr fahrbereit. Strengere Kontrollen und ein erbarmungsloses „Pickerl“ in Österreich führen dazu, dass Autos nach zehn Jahren oft als wertlos gelten – eine Folge der Neuwagenpolitik. Fahrzeuge werden heute nicht mehr für die Ewigkeit gebaut. Kleinere Schäden bedeuten oft schon das Aus für ansonsten noch schöne Autos. Kultautos gibt es zwar noch, doch stammen sie inzwischen fast ausschließlich aus dem teuren Preissegment. Und nicht jedes teurere Modell wird automatisch zum Sammlerstück – bei manchen ist der jährliche Wertverlust nahezu absurd. Über die FIN (17-stellige Fahrzeug-Identifikationsnummer) lassen sich Ausstattungsdetails und die Servicehistorie eines Fahrzeugs digital abrufen. Tools wie CarVertical listen zudem auch gemeldete Vorschäden auf, über die OBD-Schnittstelle kann das Fahrzeug rasch ausgelesen werden.
Das Auto voller Elektronik
Neben neuartigen Antrieben wie Elektro oder Wasserstoff – über die wir in einem anderen Artikel schon berichtet haben – sind heutige Autos regelrechte Elektronikpakete. Früher reichten Hupe, Scheinwerfer, Beleuchtung und Scheibenwischer völlig aus, und mein erstes Auto hatte sogar noch Winker statt Blinker. Heute dagegen findet man eine schier unendliche Auswahl an elektrischen Helfern, von Sitzheizung und Ambientebeleuchtung bis hin zu ausgeklügelten Sicherheits- und Assistenzsystemen, die man sich damals kaum hätte vorstellen können.
Sicherheits- und Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen basieren heute überwiegend auf Sensorik, Radar- und Kameratechnik sowie komplexen Steuergeräten. Systeme wie der Notbremsassistent erkennen Hindernisse und können im Ernstfall automatisch eine Bremsung einleiten. Spurhalte- und Spurwechselassistenten überwachen die Fahrbahnmarkierungen und unterstützen den Fahrer dabei, die Spur zu halten. Der adaptive Abstandsregeltempomat reguliert Geschwindigkeit und Abstand zum Vordermann, während Toter-Winkel-Warner kritische Bereiche im Umfeld des Fahrzeugs kontrollieren. Ergänzt werden diese Funktionen durch Parkassistenten, Rückfahrkameras und zunehmend auch durch Systeme zum teilautomatisierten Fahren. Ziel dieser Technologien ist es, das Unfallrisiko zu senken, den Fahrer zu entlasten und den Fahrkomfort zu erhöhen.

Das Auto der Zukunft
Die Entwicklung geht jedoch noch weiter: Aus den einzelnen Assistenzsystemen wächst Schritt für Schritt das Bild des selbstfahrenden, beinahe denkenden Autos. Schon heute übernehmen Fahrzeuge auf Knopfdruck Spurführung, Abstandsregelung und Bremsvorgänge, morgen könnten sie sich völlig selbstständig durch dichten Stadtverkehr oder über lange Autobahnstrecken bewegen. Sensoren, Kameras und künstliche Intelligenz verschmelzen dabei zu einer Art elektronischem Beifahrer, der nicht nur reagiert, sondern vorausschauend handelt. Was vor wenigen Jahrzehnten noch wie Science-Fiction klang, wird zunehmend Realität – das Auto verwandelt sich vom reinen Fortbewegungsmittel zum intelligenten Partner auf der Straße.