Die Erfindermesse iENA

Früher war Wien ein Zentrum für Tüftlerinnen und Tüftler. Auf der Erfindermesse standen keine Hochglanzprodukte, sondern Menschen mit Modellen, Skizzen und funktionierenden Prototypen. Hier ging es nicht um perfekte Präsentationen, sondern um die eine Frage: Funktioniert meine Idee auch für andere? Motiviert durch Daniel Düsentrieb war die Wiener Messse ein Pflichttermin für uns Kinder.
Heute hat die iENA diese internationale Rolle übernommen. Dort sieht man, was aus Einfällen werden kann. Viele Dinge, die du kennst, hatten genau hier ihren ersten großen Auftritt: der Rollkoffer (Trolly), der das Reisen erleichtert, der Korrekturroller aus dem Schulalltag, das Faltfahrrad für Pendler, Inline-Skates und das Snowboard als neue Sportarten. Dazu kommen moderne Entwicklungen wie medizinische Werkzeuge, Assistenzsysteme für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder nachhaltige Technologien für Umwelt und Forschung.
Das Faszinierende daran: Diese Ideen sind nicht im Konzernbüro entstanden. Sie begannen mit einer Beobachtung aus dem Alltag. Jemand hat ein Problem gesehen – und nicht aufgehört, darüber nachzudenken.
Genau hier liegt die Botschaft für Schule und Unterricht. Gute Ideen brauchen ein Ziel und ein Publikum. Wenn du weißt, dass dein Projekt gezeigt wird, arbeitest du anders. Aus einer Skizze wird ein Modell. Aus einem Gedanken wird eine Lösung. Eine Bühne kann vieles sein: eine Präsentation in der Klasse, eine schulinterne Innovationsmesse, ein Beitrag bei der Maker Faire oder ein Wettbewerb. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern dass deine Arbeit ernst genommen wird.
Noch erstaunlicher wird es, wenn man auf das Alter der Erfinderinnen und Erfinder blickt. Viele bahnbrechende Ideen stammen nicht von großen Entwicklungsteams, sondern von Kindern und Jugendlichen. Louis Braille war erst 15 Jahre alt, als er die nach ihm benannte Blindenschrift entwickelte und damit Millionen Menschen den Zugang zu Bildung ermöglichte. Der elfjährige Frank Epperson ließ zufällig ein Getränk mit einem Holzstab über Nacht gefrieren – daraus entstand das Eis am Stiel, das bis heute weltweit verkauft wird. Die Kanadierin Ann Makosinski baute mit 15 eine Taschenlampe, die allein durch Körperwärme leuchtet und keine Batterie benötigt. Der zwölfjährige Alex Deans entwickelte ein Navigationssystem für blinde Menschen, das Hindernisse erkennt und akustisch davor warnt. Ebenfalls noch Schülerin war Gitanjali Rao, als sie ein Messgerät konstruierte, das Blei im Trinkwasser nachweisen kann – ausgelöst durch die Sorge um die Gesundheit vieler Familien. Die junge Forscherin Anna Du begann mit 12 Jahren Unterwasserroboter zu entwickeln, um Mikroplastik im Meer aufzuspüren. Der 16-jährige George Nissen erfand das Trampolin – ursprünglich als Trainingsgerät für Turner, heute aus Sport und Therapie nicht mehr wegzudenken. Und die 14-jährige Emily Cummins entwickelte einen tragbaren Kühlschrank, der ohne Strom funktioniert und Medikamente in heißen Regionen kühlen kann.
Diese Beispiele haben eines gemeinsam: Am Anfang stand keine perfekte Laborumgebung, sondern eine Frage aus dem Alltag, ein persönliches Erlebnis oder ein Schulprojekt. Erfinden beginnt nicht mit einem Diplom, sondern mit Neugier, mit Beobachtung und mit dem Mut, eine Idee auszuprobieren. Wer ein Problem erkennt und eine Lösung entwickelt, ist bereits mittendrin im Innovationsprozess – unabhängig vom Alter.
Die Geschichte der großen Erfindungen zeigt noch etwas: Nichts funktioniert beim ersten Versuch perfekt. Prototypen scheitern, Programme stürzen ab, Materialien müssen neu gedacht werden. Erfinden heißt dranzubleiben - aus Fehlern zu lernen.
Die Wiener Erfindermesse gibt es heute nicht mehr – aber ihre Idee lebt weiter. Im Makerspace, im Projektunterricht und in jeder Klasse, in der nicht nur gelernt, sondern entwickelt wird. Vielleicht liegt die nächste große Innovation nicht in einem Forschungslabor, sondern auf deinem Tisch. Du brauchst nur eine Idee, den Mut sie zu zeigen – und die Ausdauer, weiter daran zu arbeiten.