Jugend-Internet-Monitor 2026 - fuck the social media

Jugend-Internet-Monitor 2026: Social Media verliert – KI gewinnt
Der Jugend-Internet-Monitor 2026 von Saferinternet.at zeigt einen deutlichen Wandel im digitalen Alltag österreichischer Jugendlicher. Fast alle großen Social‑Media‑Plattformen verlieren an Bedeutung, während KI‑Anwendungen einen rasanten Aufstieg erleben. Die Studie macht sichtbar, dass sich Nutzung, Inhalte und Erwartungen der Jugendlichen grundlegend verändern. Grafik von saferinternet.at.

WhatsApp bleibt auch 2026 die meistgenutzte Internetplattform unter Jugendlichen. 82 Prozent der Befragten verwenden den Messenger, davon 84 Prozent täglich. Trotz dieser Spitzenposition verliert WhatsApp im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozentpunkte. Auf dem zweiten Platz folgt YouTube mit 76 Prozent Nutzung und einem täglichen Anteil von 50 Prozent. Auch hier ist ein Rückgang von vier Prozentpunkten zu verzeichnen. Dahinter liegen Snapchat mit 65 Prozent sowie TikTok und Instagram mit jeweils 64 Prozent. Besonders auffällig ist, dass alle drei Plattformen deutliche Verluste hinnehmen müssen: Snapchat und Instagram verlieren jeweils neun Prozentpunkte, TikTok acht. Selbst Microsoft Teams, häufig schulisch genutzt, sinkt auf 31 Prozent.
Auch abseits der großen Netzwerke zeigt sich eine vielfältige, aber rückläufige App‑Landschaft. Pinterest wird von 31 Prozent der Jugendlichen genutzt, Roblox von 23 Prozent und Discord von 18 Prozent. Twitch erreicht 14 Prozent. Nahezu alle diese Plattformen verlieren gegenüber dem Vorjahr an Reichweite. Stabil bleiben lediglich Signal und Reddit mit jeweils neun Prozent. Der größte Verlierer ist jedoch BeReal. Die App, die 2024 noch von knapp einem Drittel der Jugendlichen verwendet wurde, fällt 2026 auf nur noch sieben Prozent zurück und verliert damit beinahe ihre gesamte frühere Bedeutung.
Auffällig ist zudem, dass sich die Nutzung zwischen Mädchen und Burschen weiter angleicht. Bei WhatsApp, Snapchat und Instagram gibt es 2026 praktisch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr. YouTube und TikTok werden zwar weiterhin etwas häufiger von Jungs genutzt, doch die Abstände sind gering. Deutlichere Differenzen zeigen sich bei Gaming‑ und Streaming‑Plattformen. Discord und Twitch bleiben klar männlich dominiert, während Roblox von beiden Geschlechtern ähnlich häufig verwendet wird. Umgekehrt ist Pinterest stark weiblich geprägt. Mehr als die Hälfte der Mädchen nutzt diese Plattform, während nur ein kleiner Teil der Jungs dort aktiv ist. Auch bei Reddit und X überwiegt die männliche Nutzung deutlich.
Neben den reinen Nutzungszahlen beschreibt die Studie einen grundlegenden Wandel in der Art, wie soziale Netzwerke verwendet werden. Der direkte Austausch mit Freundinnen und Freunden verliert zunehmend an Bedeutung. Stattdessen dominiert das passive Konsumieren von Kurzvideos, gesteuert durch algorithmisch zusammengestellte Feeds. Jugendliche scrollen durch endlose Inhalte, ohne bewusst bestimmten Personen zu folgen. Viele können kaum mehr benennen, welchen Creatorinnen oder Creatoren sie tatsächlich abonnieren. Der Algorithmus ersetzt zunehmend die persönliche Auswahl.
Parallel dazu gewinnen neue digitale Angebote an Bedeutung. Besonders auffällig ist der Siegeszug der künstlichen Intelligenz. In einer Zusatzstudie zeigt Saferinternet.at, dass bereits 94 Prozent der 11‑ bis 17‑Jährigen KI‑Chatbots nutzen. ChatGPT und ähnliche Systeme sind damit fest im Alltag der Jugendlichen verankert. Dieser Trend erklärt zumindest teilweise den Rückgang klassischer sozialer Netzwerke. Die verfügbare Online‑Zeit verteilt sich auf immer mehr Angebote, darunter auch Streaming‑Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+.

In Fokusgruppen äußern viele Jugendliche zudem ein zunehmendes Sättigungsgefühl gegenüber sozialen Netzwerken. Als besonders störend werden die große Menge an Werbung, die oft sehr ähnlichen Inhalte auf verschiedenen Plattformen sowie Hasskommentare und belastender Content genannt. Soziale Medien verlieren für viele junge Menschen an Attraktivität, auch wenn sie weiterhin ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags bleiben.
Der radikale Wandel im digitalen Alltag Jugendlicher speist sich aus einer wachsenden „Algorithmen-Müdigkeit“ und dem Wunsch nach pragmatischem Nutzen. Während der soziale Druck zur Selbstdarstellung und die toxische Dynamik klassischer Netzwerke zu einem regelrechten Social-Media-Burnout führen, bietet die KI eine stressfreie und effiziente Alternative. Als urteilsfreies Werkzeug liefert sie sofortige Ergebnisse für Schule und Freizeit, wodurch die Hürde zwischen Frage und Antwort praktisch verschwindet.
Diese Entwicklung erschüttert das Bildungssystem in seinen Grundfesten: Da fast alle Schüler KI-Tools nutzen, verlieren traditionelle Hausaufgaben ihren Wert als Leistungsnachweis. Die Schule muss sich daher weg von der reinen Ergebnisproduktion hin zur Prozessbegleitung vor Ort entwickeln. Medienkompetenz 2.0 umfasst dabei vor allem „Prompt Literacy“ und die kritische Einordnung von KI-Halluzinationen. In dieser technisierten Welt werden rein menschliche Qualitäten wie Empathie und kritisches Denken paradoxerweise wichtiger denn je. Anstatt auf wirkungslose Verbote zu setzen, sind Eltern und Lehrkräfte heute als begleitende Coaches gefragt, die durch Dialog und gezielte Fortbildung den kompetenten Umgang mit der Technik fördern.

Insgesamt zeigt der Jugend‑Internet‑Monitor 2026 ein klares Bild. Social Media bleibt relevant, verliert jedoch spürbar an Strahlkraft. Gleichzeitig entsteht mit KI‑Anwendungen ein neues Zentrum des digitalen Alltags. Für Schule, Eltern und Bildungspolitik bedeutet das, Medienbildung neu zu denken. Neben dem kritischen Umgang mit sozialen Netzwerken wird der kompetente Einsatz von künstlicher Intelligenz zu einer zentralen Schlüsselkompetenz der kommenden Jahre.
Fazit: Der Jugend-Internet-Monitor 2026 zeigt, dass die digitale Pubertät der Gesellschaft vorbei ist. Wir sind im Erwachsenenalter der Digitalisierung angekommen, wo wir uns nicht mehr nur mit bunten Bildern, sondern mit mächtigen, intelligenten Werkzeugen auseinandersetzen müssen. Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Jugend diese Werkzeuge beherrscht – und nicht umgekehrt.
Die vollständigen Ergebnisse der Zusatzstudie zu KI‑Chatbots werden am 9. Februar 2026 auf Saferinternet veröffentlicht - wir werden berichten.
Quelle: Jugend‑Internet‑Monitor 2026, Saferinternet.at