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Das will ich mir leisten - das kann ich mir nicht leisten

Ein Auto, ein Smartphone oder eine Wohnung zu besitzen war lange ein Zeichen von Sicherheit und Erfolg. Heute wird immer häufiger genutzt statt gekauft, finanziert statt bezahlt und monatlich statt einmalig gedacht. Doch was kostet das wirklich? Anhand eines Golf GTI, eines aktuellen Smartphones und einer Immobilienfinanzierung zeigt dieser Beitrag, warum Werbung oft schöner rechnet als die Realität – und weshalb nüchternes Nachrechnen die wichtigste finanzielle Kompetenz unserer Zeit ist.

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Der Smartphoneschmäh

Max steht vor der Wahl, ein aktuelles Smartphone entweder vertragsfrei zu kaufen oder sich für ein „Handy mit Tarif“-Modell zu entscheiden. Um diese Entscheidung realistisch bewerten zu können, lohnt sich ein Blick auf die vertraglich relevante Laufzeit von 24 Monaten. Als Beispiel dient hier ein iPhone 17 (256 GB).

Kauft Max das iPhone 17 vertragsfrei, liegt der Marktpreis (Geizhalswerte) bei rund 894 Euro. Dazu wählt er einen SIM-only-Tarif um 20 Euro pro Monat. Über 24 Monate entstehen dadurch 480 Euro an Tarifkosten. Zusammengerechnet kostet Max Smartphone und Mobilfunk in diesem Modell 1.374 Euro. Nach zwei Jahren ist das Gerät vollständig bezahlt, und der Tarif kann jederzeit gewechselt oder gekündigt werden.

Dem gegenüber steht das klassische „Handy mit Tarif“-Modell. In einem leistungsstarken Flatrate-Tarif liegt die monatliche Belastung bei rund  83 Euro (Preis eines bekannten Anbieters), bestehend aus Tarifgrundgebühr und Gerätefinanzierung. Über die 24 Monate Vertragslaufzeit ergibt das 1.992 Euro. Zuzüglich einer einmaligen Urheberrechtsabgabe von 6,60 Euro belaufen sich die Gesamtkosten des Kombi-Modells nach zwei Jahren auf 1.998,60 Euro.

Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, muss tarifbereinigt gerechnet werden. Max hätte unabhängig vom Smartphone einen Mobilfunktarif benötigt. Setzt man dafür wieder 20 Euro pro Monat an, ergeben sich über 24 Monate 480 Euro, die von den Gesamtkosten abzuziehen sind. Übrig bleiben 1.518,60 Euro, die im Kombi-Modell effektiv für das Smartphone bezahlt werden.

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Verglichen mit dem Barkaufpreis von 894 Euro bedeutet das eine Mehrzahlung von rund 625 Euro ( ca. 70 Prozent plus innerhalb von nur zwei Jahren. Damit wird deutlich: Mit dem „Handy-mit-Tarif“-Modell bezahlt Max das iPhone in diesem Zeitraum nahezu zwei Mal. Auch bei einer Laufzeit von nur 24 Monaten zeigt sich damit klar, dass der Kombi-Kauf kein Schnäppchen ist, sondern ein Finanzierungsmodell, bei dem der Gerätepreis über höhere monatliche Kosten abgegolten wird. Der Vorteil liegt ausschließlich in der geringeren Anfangszahlung, der Nachteil in den deutlich höheren Gesamtkosten. Gerade bei einem Konsumgut wie einem Smartphone, dessen technischer Wert rasch sinkt, wird deutlich, wie wichtig es ist, Gerät und Tarif gedanklich zu trennen und bewusst zu rechnen.

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Mein Traumauto Golf GTI 

Der VW Golf GTI ist seit Jahrzehnten ein Symbol für sportliche Alltagstauglichkeit. Seit dem ersten GTI in den späten 1970er-Jahren hat sich das Auto technisch enorm weiterentwickelt: mehr Leistung, mehr Sicherheit, mehr Komfort. Der Kult ist geblieben – doch die Preise haben sich stark verändert. Genau hier beginnt heute für viele Autofahrerinnen und Autofahrer die zentrale Frage: Kaufen oder nur nutzen?

Ein Blick auf die Preisentwicklung über die Generationen zeigt deutlich, wie stark sich der Neupreis eines Golf GTI verändert hat. Besonders aussagekräftig wird dieser Vergleich, wenn man die Preise auf die heutige Kaufkraft umrechnet. Damit ist gemeint, wie viel Geld man heute verdienen müsste, um sich ein Auto mit vergleichbarer finanzieller Belastung leisten zu können. So lassen sich Preise aus unterschiedlichen Jahrzehnten sinnvoll vergleichen. 

GenerationBaujahreNeupreisHeutige Kaufkraft 
Golf GTI Mk1 1976–1983 7.000 € 32.000 €
Golf GTI Mk2 1983–1991 16.500 € 34.000 €
Golf GTI Mk3 1991–1997 20.000 € 32.000 €
Golf GTI Mk4 1997–2003 23.000 € 33.000 €
Golf GTI Mk5 2004–2009 26.500 € 35.000 €
Golf GTI Mk6 2009–2012 29.000 € 36.000 €
Golf GTI Mk7 2013–2020 34.000 € 38.000 €
Golf GTI Mk8 2020–heute 50.000 € 50.000 €

 

Die Tabelle zeigt: Inflationsbereinigt war der Golf GTI schon immer ein hochwertiges Auto. Der entscheidende Bruch liegt jedoch bei der aktuellen Generation. Der Golf GTI Mk8 liegt mit rund 50.000 Euro deutlich über dem bisherigen Trend. Genau dieser Preissprung erklärt, warum sich das Kaufverhalten stark verändert hat und warum viele heute nicht mehr kaufen, sondern leasen. Was kostet ein Golf GTI nun tatsächlich im Alltag?

Das Beispiel: Max interessiert sich für einen neuen Golf GTI Mk8 mit einem Listenpreis von rund 50.000 Euro. Er fährt das Auto drei Jahre und legt dabei 15.000 Kilometer pro Jahr zurück, insgesamt also 45.000 Kilometer.

Unabhängig davon, ob Max das Auto kauft oder least, fallen bestimmte Kosten in beiden Fällen gleich an. Dazu zählen die Versicherung, die Service- und Wartungskosten sowie die motorbezogene Versicherungssteuer und sonstige laufende Nebenkosten. Diese Ausgaben hängen vom Fahrzeug selbst ab, nicht von der Finanzierungsform. Für den Golf GTI sind dafür realistisch rund 4.200 Euro für Versicherung, etwa 1.800 Euro für Wartung und Service sowie rund 600 Euro für Steuer und Nebenkosten über drei Jahre anzusetzen. Diese Kosten entstehen sowohl beim Barkauf als auch beim Leasing und sind daher für den Vergleich nicht entscheidend.

Der eigentliche Unterschied liegt in der Finanzierungslogik. Beim Barkauf trägt Max den Wertverlust des Fahrzeugs. Nach drei Jahren und 45.000 Kilometern liegt der realistische Wiederverkaufswert bei etwa 31.000 Euro. Der Wertverlust beträgt damit rund 19.000 Euro. Addiert man diesen Wertverlust zu den laufenden Kosten, entstehen beim Barkauf Gesamtkosten von rund 25.600 Euro über drei Jahre. Am Ende besitzt Max jedoch weiterhin ein Auto mit einem erheblichen Restwert.

Beim Privatleasing zahlt Max für die Nutzung des Fahrzeugs. Eine realistische Leasingrate für einen Golf GTI liegt bei etwa 520 Euro pro Monat über 36 Monate, was 18.720 Euro an Leasingraten ergibt. Da die laufenden Kosten identisch sind, kommen auch hier Versicherung, Wartung und Steuer hinzu. Zusätzlich sind bei der Rückgabe realistisch etwa 800 Euro für Abnutzung oder kleinere Schäden anzusetzen. Insgesamt entstehen beim Leasing damit Gesamtkosten von rund 25.200 Euro über drei Jahre. Nach Ablauf der Laufzeit gibt Max das Auto zurück und besitzt kein Fahrzeug und keinen Restwert.

Alternativ kann Max das Fahrzeug nach Leasingende herauskaufen. Der dabei angesetzte Preis orientiert sich am kalkulierten Restwert, liegt in der Praxis jedoch meist leicht darüber. Ein Aufschlag von etwa 5 % auf den Restwert ist realistisch. Bei einem Restwert von rund 31.000 Euro ergibt sich damit ein Herauskaufpreis von etwa 32.500 Euro. In diesem Fall zahlt Max zuerst für die Nutzung und kauft das Auto anschließend teurer zurück, als wenn er es von Anfang an besessen hätte.

Der direkte Vergleich zeigt: Barkauf und Leasing liegen finanziell nahezu gleichauf. Das Leasing ist in diesem Beispiel um etwa 400 Euro günstiger, was einem Unterschied von rund 1,6 % entspricht. Rein rechnerisch spricht bei einer Nutzungsdauer von drei Jahren daher leicht mehr für das Leasing – vorausgesetzt, das Auto wird am Ende tatsächlich zurückgegeben.

Rechnet man die Kosten weiter herunter, wird die Belastung noch greifbarer. Max zahlt für den Golf GTI rund 8.400 bis 8.500 Euro pro Jahr. Auf die gefahrenen 15.000 Kilometer umgelegt ergibt das Kosten von etwa 0,56 Euro pro Kilometer, ohne Treibstoff. Berücksichtigt man zusätzlich die Benzinkosten, verschiebt sich das Bild weiter nach oben. Ein Golf GTI verbraucht im realistischen Alltagsbetrieb etwa 8 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von 1,50 Euro pro Liter entstehen Treibstoffkosten von rund 0,12 Euro pro Kilometer. Damit kostet Max das Autofahren insgesamt etwa 0,69 Euro pro Kilometer. Hochgerechnet auf ein Jahr gibt er damit rund 10.350 Euro jährlich für sein Auto aus – inklusive Benzin, aber ohne Parkgebühren, Reifen oder sonstige Sonderausgaben.

Zum Vergleich: Das amtliche Kilometergeld in Österreich liegt bei 0,50 Euro pro Kilometer. Der Golf GTI liegt damit um rund 0,19 Euro pro Kilometer bzw. etwa 38 % darüber. Diese Differenz zeigt deutlich, dass das Kilometergeld einen durchschnittlichen, sparsamen Pkw abbildet – nicht jedoch ein leistungsstarkes Fahrzeug wie den GTI.

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Ein weiterer Aspekt erklärt, warum Leasingangebote oft so attraktiv wirken. Sie werden von mehreren Seiten getragen: von der Automobilindustrie, den Autohäusern und den Leasingbanken. Hersteller wollen Absatz und Marktanteile sichern, Autohäuser profitieren von Servicebindung und Rückläufern, Banken von planbaren Restwerten und Finanzierungsprodukten. Hinzu kommen Bonusprogramme und Goodies wie Winterreifen, Servicepakete oder Sonderkonditionen. Außerdem bleibt beim Leasing das eigene Kapital verfügbar und könnte – zumindest theoretisch – veranlagt werden, auch wenn die Zinserträge derzeit gering sind.  Dem stehen jedoch klare Nachteile gegenüber. Dem stehen jedoch klare Nachteile gegenüber. Beim Leasing gehört der Fahrzeugwert – und damit auch der Wertverlust – der Leasingbank, nicht dem Nutzer. Beim Leasing ist die Leasingbank rechtlich der Fahrzeugeigentümer. Kommt es bei einem unverschuldeten Schaden zu einer merkantilen Wertminderung, ersetzt die gegnerische Versicherung diese zwar – ausbezahlt wird sie jedoch an den Eigentümer, also an die Bank, nicht an den Leasingnehmer. Der Leasingnehmer profitiert davon nicht direkt, obwohl er das Fahrzeug nutzt und die Leasingraten bezahlt. Bei der Rückgabe kann eine Wertminderung dennoch relevant werden, etwa wenn zusätzliche Abnutzung oder weitere Schäden festgestellt werden. Der finanzielle Ausgleich aus der Wertminderung bleibt beim Leasinggeber. Beim Leasing gehört der Wertverlust der Bank – egal ob man das Auto zurückgibt oder später kauft. Der Restwert für den Leasingnehmer bleibt gleich.

Fazit: Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Am Beispiel des VW Golf GTI zeigt sich, dass Leasing bei kurzer Nutzungsdauer rechnerisch leicht im  Vorteil sein kann – muss es aber nicht. Nicht jedes Leasingangebot ist automatisch günstiger. Je nach Konditionen, Restwertannahmen und Zusatzkosten können sich Preisunterschiede von bis zu 10 Prozent zugunsten des Barkaufs ergeben. Deshalb gilt: Angebote einholen, genau nachrechnen und gezielt nachfragen. Entscheidend sind nicht die monatlichen Raten, sondern die Gesamtkosten über die geplante Nutzungsdauer. Nur wer alle Posten berücksichtigt – Wertverlust, Leasingraten, Rückgabekosten, Bonusprogramme und mögliche Heraus­kaufpreise – trifft eine fundierte Entscheidung.

Oder kurz und klar: Leasing kann passen, Kauf kann besser sein – rechnen muss man immer.

Immobilienkauf

Beim Haus- oder Wohnungskauf in Österreich ist neben dem Immobilienpreis vor allem die Finanzierung gesetzlich klar geregelt. Grundlage dafür ist die sogenannte KIM-Verordnung. Sie schreibt vor, dass Käuferinnen und Käufer mindestens 20 % Eigenmittel einbringen müssen. Das bedeutet, dass höchstens 80 % des Immobilienwertes über einen Kredit finanziert werden dürfen. Wichtig ist dabei, dass Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer (3,5%), Grundbuchseintragung (1%) oder Maklerprovision (3,6%) und Notarkosten (1-2 %) mit gesamt  rund 10%  nicht zu diesen Eigenmitteln zählen und zusätzlich aus eigenen Mitteln bezahlt werden müssen.

Neben den Eigenmitteln spielt die Laufzeit des Kredits eine zentrale Rolle. Die maximale Kreditlaufzeit ist gesetzlich auf 35 Jahre begrenzt. Längere Laufzeiten sind nicht zulässig, auch wenn dadurch die monatliche Rate niedriger wäre. Diese Regelung soll verhindern, dass sich Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer über sehr lange Zeiträume finanziell binden und dadurch stark von Zinsänderungen abhängig werden.

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Ein drittes wesentliches Kriterium ist das Einkommen bzw. die Leistbarkeit. Die monatliche Rückzahlungsrate darf höchstens 40 % des verfügbaren Netto-Haushaltseinkommens betragen. In diese Belastungsgrenze fallen nicht nur die Kreditrate selbst, sondern auch laufende Wohnkosten, etwa Betriebskosten oder verpflichtende Rücklagen bei Eigentumswohnungen. Maßgeblich ist dabei ein dauerhaft verfügbares Einkommen, also kein einmaliger Bonus oder befristete Zulage.

Beispiel

Max ist 30 Jahre alt und kauft eine Wohnung um 300.000 Euro. Zusätzlich fallen Kaufnebenkosten von rund 10 % an, also etwa 30.000 Euro. Die Gesamtbelastung beträgt damit 330.000 Euro. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 20 % Eigenmittel bezogen auf den Kaufpreis. Max muss daher 60.000 Euro Eigenkapital für den Wohnungskauf sowie weitere 30.000 Euro für die Nebenkosten aufbringen. Insgesamt benötigt er also 90.000 Euro eigenes Geld. Den verbleibenden Betrag von 240.000 Euro finanziert er über einen Kredit mit einer maximalen Laufzeit von 35 Jahren.

Die Lösung oder das eigentliche Problem

Max finanziert einen Kreditbetrag von 240.000 Euro über eine Laufzeit von 35 Jahren zu einem Zinssatz von 3,5 % pro Jahr. Bei einem üblichen Annuitätenkredit ergibt sich daraus eine monatliche Kreditrate von rund 1.080 Euro. Über die gesamte Laufzeit von 35 Jahren zahlt Max damit insgesamt etwa 454.000 Euro an die Bank zurück. Davon entfallen rund 214.000 Euro allein auf Zinsen. Die Gesamtbelastung liegt somit deutlich über dem ursprünglich aufgenommenen Kreditbetrag, was zeigt, wie stark sich lange Laufzeiten und Zinsen auf die Kosten auswirken.

Nach zehn Jahren Laufzeit ist der Kredit noch nicht annähernd zur Hälfte getilgt, da in den ersten Jahren vor allem Zinsen bezahlt werden. Zu diesem Zeitpunkt beträgt die Restschuld noch rund 195.000 Euro. Steigt der Zinssatz nun auf 5 % und wird die verbleibende Summe über die restlichen 25 Jahre weiterfinanziert, erhöht sich die monatliche Kreditrate auf etwa 1.140 Euro.

Die monatliche Belastung steigt damit um ungefähr 60 Euro. Das wirkt auf den ersten Blick überschaubar, bedeutet jedoch langfristig eine Mehrbelastung von rund 720 Euro pro Jahr und insgesamt etwa 18.000 Euro über die restliche Laufzeit. Dieses Beispiel zeigt anschaulich, warum Zinssatz, Laufzeit und Einkommen bei der Kreditvergabe eine so zentrale Rolle spielen und warum Banken Zinserhöhungen bei der Leistbarkeitsprüfung besonders berücksichtigen.

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Damit Max den Kredit überhaupt bekommt, muss sein Einkommen die gesetzliche Leistbarkeitsgrenze erfüllen. Vereinfacht heißt das: Die monatliche Rückzahlung darf höchstens 40 % des verfügbaren Netto-Haushaltseinkommens ausmachen. Rechnet man für Max mit einer Kreditrate von rund 1.080 Euro pro Monat, ergibt sich als rechnerisches Minimum ein Nettoeinkommen von etwa 2.700 Euro pro Monat (weil 1.080 Euro genau 40 % von 2.700 Euro sind). In der Realität sollte man dabei aber klar sagen: Zur monatlichen Wohnbelastung gehören nicht nur die Kreditrate, sondern auch laufende Kosten wie Betriebskosten, Rücklagen (bei Wohnungseigentum), Versicherungen und Energie.Diese Ausgaben (Wohnnebenkosten) spielen in den staatlichen Kreditvorgaben keine Rolle, entscheiden in der Realität jedoch darüber, ob Wohnen für Max überhaupt dauerhaft leistbar ist. Nach Abzug der monatlichen Kreditrate von 1.080 Euro und geschätzten 500 Euro an Wohnnebenkosten bleiben ihm nur noch 1.120 Euro für das gesamte übrige Leben. Lebensmittel, Auto, Smartphone, Freizeit, Kleidung, Rücklagen und Urlaub müssen aus diesem Betrag finanziert werden. Umgerechnet sind das 280 Euro pro Woche oder knapp 38 Euro pro Tag – für alles außerhalb der Wohnung. Das zeigt deutlich: Der Kredit ist zwar genehmigt, die finanzielle Luft bleibt jedoch äußerst dünn.

Zusätzlich muss Max bedenken, dass eine Wohnung nach dem Kauf meist noch eingerichtet werden muss. Küche, Badezimmerausstattung, Bodenbeläge, Beleuchtung und Möbel können schnell mehrere zehntausend Euro kosten – Geld, das nicht automatisch im Kredit „mitdrin“ ist und daher aus Eigenmitteln oder laufendem Einkommen kommen muss. Kommt dann noch Inflation dazu, steigen über die Jahre typischerweise nicht nur Lebensmittelpreise, sondern auch Energiekosten, Handwerkerleistungen und Instandhaltung. Gleichzeitig kann Inflation – je nach Kreditmodell und Zinsentwicklung – auch dazu beitragen, dass Zinsen höher werden oder sich nach einer Fixzinsphase die Konditionen verschlechtern. Das bedeutet: Selbst wenn die Kreditrate anfangs „passt“, kann die gesamte finanzielle Belastung später deutlich steigen und Max Möglichkeiten dabei übersteigen.

Nach 35 Jahren ist Max etwa 65 Jahre alt und kann in Pension gehen – im Idealfall ist die Wohnung dann abbezahlt und gehört zur Gänze. Durch steigende Immobilienpreise hat damit Max einen "bleibenden Wert" geschaffen.  Genau dann kommt aber oft der nächste große Block: Nach so langer Zeit ist eine Immobilie häufig renovierungsbedürftig. Heizung, Fenster, Bad oder andere größere Sanierungen können fällig werden. Entscheidend ist daher, ob Max es schafft, über die Laufzeit nicht nur den Kredit zu bedienen, sondern auch regelmäßig Rücklagen aufzubauen, damit er sich Renovierungen im Pensionsalter leisten kann.

Fazit: Ein Wohnungskauf ist keine Mutprobe, sondern eine Rechenaufgabe mit Langzeitfolgen. Entscheidend ist nicht, wie viel Kredit eine Bank genehmigt, sondern wie viel Belastung man sich über Jahrzehnte leisten kann, ohne dabei Lebensqualität zu verlieren. Wer zu knapp kalkuliert, wohnt zwar im Eigentum, lebt aber finanziell ständig am Limit. Der richtige Weg liegt zwischen leistbarem Wohnraum, dem langfristigen Wert der Immobilie und dem guten Gefühl, sich auch außerhalb der eigenen vier Wände noch etwas leisten zu können.

Genauso klar ist: Bildung und Ausbildung sind der stärkste Hebel für finanzielle Freiheit. Nur wer über gefragte Qualifikationen verfügt, kann ein Einkommen erzielen, das deutlich über dem Mindest- oder Kollektivniveau liegt und echte Handlungsspielräume eröffnet. Ein sehr guter Elektriker, Techniker oder Facharbeiter wird gutes Geld verdienen – und damit Wahlmöglichkeiten haben. Geld allein macht nicht glücklich, aber es entscheidet darüber, ob finanzielle Sorgen den Alltag bestimmen oder ob man "gut aufgestellt" ist.Frei nach der Tritsch Tratsch Philosophie der 90er-Jahre: Geld macht glücklich, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass mans hat, wenn mans braucht....