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Mindestalter für soziale Medien - gibt es so etwas...

jugendschutz

Kinder nutzen bereits in jungen Jahren soziale Dienste wie WhatsApp, Snapchat, Instagram & Co. Doch ab welchem Alter dürfen sie diese eigentlich verwenden? Gibt es eine Mindestaltersgrenze? Wir haben uns schlau gemacht.....

Eine Mindestaltersgrenze gibt es, diese ist gesetzlich geregelt. Das Mindestalter zur Nutzung Sozialer Netzwerke laut Gesetz beträgt 14 Jahre.

Die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung werden in Österreich im Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018 geregelt. Die Nutzungsbedingungen der einzelnen Netzwerke geben aber oft etwas anderes an. Du musst dich informieren.

Das Mindestalter, das in den Nutzungsbedingungen der Sozialen Netzwerke angegeben ist, weicht teilweise vom Mindestalter im österreichischen Datenschutzgesetz ab. Die meist amerikanischen Anbieter geben ein Mindestalter von 13 Jahren an, da in den USA grundsätzlich keine Daten von Personen unter 13 Jahren gesammelt werden dürfen. Österreichische Kids müssen aber mindestens 14 Jahre alt sein.

Im Detail

Facebook:  ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren) ein eingeschränktes Konto, ab 16 Jahren ein erweitertes Konto (religiöse Ansichten, politische Ansichten.....)

Instagram: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

WhatsApp: ab 16 Jahren (auch in Österreich)

YouTube:  ab 14 Jahren

Snapchat: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Musical.ly - Tik Tok: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren).  Unter 18 Jahren benötigst du offiziell die Einwilligung eines Erziehungsberechtigten.

Gmx: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Google - Konto - Gmail: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren). Unter 13 Jahren (in Österreich ab 14 Jahren) kann ein Konto erstellt und mit Family Link verwaltet werden.

Twitter: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Signal: ab 13 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Telegram: ab 12 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Houseparty: ab 12 Jahren  (in Österreich ab 14 Jahren)

Microsoft Konto: Privatkonten ab 13 Jahren, Schulkonten entweder ab 16 Jahren (kein Microsoft Family Safety Modus möglich, da es sich um ein öffentliches Konto handelt), oder nach den Regeln der staatlichen Organisation.

hammer 2

Unsere persönliche Erfahrung & Meinung: Viele sehr junge Jugendliche ignorieren dieses Mindestalter einfach und fälschen ihre Profile mit falschen Geburtsdaten, um die App nutzen zu können oder deutlich mehr Berechtigungen zu erhalten (vgl. Artikel TikTok). Bei unseren Erhebungen in verschiedenen Schulklassen liegt der Anteil der unter 14-Jährigen mit gelogenen Zugangsdaten deutlich über 50%. Darauf angesprochen wird dieses Fälschen als durchaus normal und nicht verwerflich eingestuft. Die Kinder erhalten damit Zugang zu einem Bereich der digitalen Welt, der für sie nicht vorgesehen ist. Weder inhaltlich noch emotional. Sie sind damit unnötigen Gefahren aller Art (sexuelle Übergriffe, Pornografie, Hass- und Gewaltdarstellungen) allein im Kinderzimmer ausgesetzt

Ohne Kontrolle - ohne elterlichen Schutz erleben und teilen sie nicht kindgerechte Medieninhalte. Die Bildschirmzeiten in unseren Erhebungen sind erschreckend. Vor allem die Bildschirmzeiten im Bereich der  Social Media liegen im Durchschnitt unserer Erhebungen bei gut 5 Stunden pro Tag. Spitzenwerte von ca. 10 Stunden sind keine Seltenheit, im Gegenteil. Vor allem Videos aller Art (leider auch Pornografie & Gewaltvideos) liegen in dieser Altersgruppe voll im Trend und rauben ein großen Teil der echten Lebenszeit. Das Versinken in dieser digitalen Welt wird in dieser Altersgruppe oft als völlig normal betrachtetElterliche Kontrolle oder Einschränkungen von Onlinezeit sind bei unseren Nachfragen selten der Fall, oder werden des Öfteren technisch umgangen.

Vor allem die Auswirkungen im Alltag schockieren uns immer wieder. Neben persönlichem emotionalem Fehlverhalten, eingeschränkter Rhetorik, mangelnder Ausdrucksfähigkeit, Übermüdung, schwacher Konzentrationssfähigkeit und schulischen Leistungseinbrüchen erschreckt uns das Verhalten der Jugendlichen bei Entzug dieser sozialen Medien bzw. des eigenen Smartphones. Lautstarke Überreaktionen, wüste Beschimpfungen und unkontrollierte Wutausbrüche sind unter anderem die Folge. Die Sucht nach diesen Inhalten, diesen Medien und dem Smartphone ist offensichtlich bereits übermächtig geworden. Dringender elterlicher Handlungsbedarf ist absolut ohne jeglichen Zweifel gegeben und unumgänglich zum Schutz des eigenen Kindes.  Die Hammermethode (vgl. Bild), neben Gesprächen und digitaler Regulierungsmaßnahmen kann durchaus eine heilsame letztendliche  Lösung sein. 

Als IKT-Administrator werde ich an unserer Schule immer wieder mit dieser Problematik konfrontiert. Fast täglich höre ich von Beleidigungen, Beschimpfungen, Fehlverhalten im Bereich Social Media im schulischen Umfeld.  Die Zahl der exzessiven DoomScroller nimmt stetig zu, fragwürdige Reels und sinnbefreite Videos werden zu analogen Zeitfressern. Das hat aber nichts mit Schule zu tun, sondern mit der Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben

SSKM - Selber Schuld, Kein Mitleid. Wer sich nicht an gesetzliche Vorgaben hält und diese eher als Empfehlung, Richtlinien oder gar Grauzone für sich interpretiert (weil es ja sowieso jeder macht oder die App hat), dem kann ich nicht helfen. Hier bleibt nur der rechtliche Weg der polizeilichen Anzeige & der zivilrechtlichen Klage, wobei es schwierig sein wird, zu argumentieren, warum man selbst eine gesetzliche Regelung ignoriert oder umgangen hat.

Der Ruf nach schärferen Gesetzen, besseren Möglichkeiten der Altersverifikation (Elektronische Identität (eID) & EiDAS) und stärkeren Inhaltskontrollen wird immer lauter. Die Kritik an den negativen Seiten der sozialen Medien nimmt zu. Regierungen denken über neue, strengere Gesetze nach und Facebook, TikTok & Co versprechen für die nahe Zukunft massive Veränderungen in diesen Bereichen. Es bleibt abzuwarten, ob diesen Ankündigungen auch Taten folgen. Doch was nützen all die neuen Maßnahmen, wenn sie missachtet oder umgangen werden, was nützen sie, wenn Bildschirmzeiten und Smartphone-Nutzung von den Eltern nicht gesteuert und nachhaltig kontrolliert werden. Wenn es keine Aufklärung und Konsequenzen bei Überschreitungen im Elternhaus gibt. Die Schule im Allgemeinen und die Aufklärung im Fach Digitale Grundbildung im Speziellen leisten hier durchaus einen wichtigen Beitrag. Letztlich ist es aber Elternsache und eine konkrete Erziehungsmaßnahme, die digitale Welt im eigenen Kinderzimmer zu begrenzen. Möglichkeiten dazu gibt es mittlerweile genug, sie müssen nur angewandt werden.

UPDATE Februar 2024: Die Europäische Union (EU) hat eine Untersuchung gegen TikTok wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Jugendschutz eingeleitet. „Als Plattform, die Millionen von Kindern und Jugendlichen erreicht, kommt TikTok eine besondere Rolle beim Schutz von Minderjährigen im Internet zu“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton.
Grundlage der Ermittlungen ist der „Digital Services Act“ (DSA), der besonders großen Internetplattformen strenge Regeln auferlegt. Bereits im Herbst 2023 hatte die EU eine  Untersuchung gegen X (Twitter) eingeleitet, weil es nicht konsequent genug gegen Falschmeldungen (Fake News. Deep Fakes...)  vorgegangen sei. Meta (Facebook, Whatsapp und Instagram) wurde  aus ähnlichen bereits Gründen gerügt.

UPDATE März 2024: 81 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen nutzen laut einer aktuellen Studie täglich das Internet - Tendenz steigend. Die gesundheitlichen Folgen einer zu langen Nutzungszeit von Smartphone, iPad und Bildschirm sind beträchtlich. Kinder lernen von Erwachsenen - das gilt auch für die Sprachentwicklung. Wenn Kleinkinder lange vor dem Bildschirm sitzen, verpassen sie wichtige Gesprächsmomente, warnt ein australisches Forscherteam. Selbst in Familien, die sich an die aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bildschirmzeit halten (eine Stunde pro Tag für Dreijährige), können Kinder der Studie zufolge rund 400 Erwachsenenwörter pro Tag verpassen. Die durchschnittliche Bildschirmzeit in den meisten Familien dürfte jedoch deutlich höher liegen. Mehr als 1000 Wörter sind es bei rund 3 Stunden Bildschirmzeit. Die Auswirkungen dieser Entwicklung spiegeln sich sowohl im aktiven als auch im passiven Wortschatz vieler junger Menschen wider. Ohne Belegung durch eine Studie sind eingeschränkte - wortkarge Kommunikation in spätere Folgen tägliche Realität im Schulalltag. Leider....

 

Fazit:  Bei den Altersstufen gibt es in der EU große Abweichungen, in Österreich liegt das Mindestalter bei 14 Jahren. Das österreichische Gesetz gilt und steht über den Nutzungsbedingungen bezüglich des Alters der Sozialen Netzwerke. Nichtbeachtung ist kein Kavaliersdelikt, sondern digitaler Betrug. 

Unumstritten: Du musst mindestens 14 Jahre alt sein, um soziale Netzwerke in Österreich legal nutzen zu können, es sei denn, das soziale Netzwerk gibt ein noch höheres Alter an (z.B. WhatsApp). 

Einen Vergleich der unterschiedlichen Messenger kannst du in diesen Artikeln gut nachlesen: Computerbild - PCWelt - Chip

Webtipp:

Unterschiedliche Nutzung der Sozialen Medien - Ö3

Safer Internet: Jugend - Internet - Monitor

Safer Internet: Altersbeschränkungen

Videotipp: Hungern-Pumpen-Posten

Jugendschutz und soziale Medien: Tipps und Tools zur Regulation des Konsums

WhatsApp: Blockieren von Usern und Gruppen

Italien: Kein Smartphone mehr im Klassenzimmer

Zach Rausch: Smartphone erst ab 14