Loading color scheme

Media Trend Nonnamaxxing - Oma is back

nonnamaxxing

Nonnamaxxing warum plötzlich wieder Oma cool ist

Noch vor wenigen Jahren schien die digitale Welt nur ein Ziel zu kennen: schneller, lauter, schriller. Perfekte Instagram-Bilder, Food-Hypes im Wochenrhythmus, Dauerbeschallung durch TikTok-Clips und die Angst, ständig etwas zu verpassen. Doch spätestens seit der Corona-Zeit entstand langsam ein Gegentrend. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Ruhe, Echtheit und einfachen Momenten. Genau hier setzt ein neuer Begriff an: Nonnamaxxing.

Der Ausdruck leitet sich vom italienischen Wort „Nonna“ – also Großmutter – ab. Gemeint ist damit keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern die Wiederentdeckung eines entschleunigten Lebensstils. Gemeinsam kochen statt Lieferdienst. Karten spielen statt endlosem Scrollen. Alte Rezepte, Gartenarbeit, Handarbeiten oder gemütliche Abende mit Freunden erleben plötzlich ein digitales Comeback. Selbst klassische Kochhefte und traditionelle Gerichte wirken wieder modern. Wer etwa unsere Beiträge über alte Gesellschaftsspiele, gemeinsames Kochen, Wald- und Naturerlebnisse oder die historischen Rezepthefte von Franz Ruhm gelesen hat, erkennt sofort: Viele dieser scheinbar „alten“ Ideen passen erstaunlich gut in die Gegenwart.

Interessant daran ist: Dieser Trend entstand nicht einfach aus Nostalgie. Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind mit permanenter digitaler Reizüberflutung aufgewachsen. Corona verstärkte zusätzlich das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und echten sozialen Momenten. Während der Pandemie wurde vielen bewusst, wie wertvoll gemeinsames Essen, Gespräche am Tisch oder einfache Rituale eigentlich sind. Genau daraus entwickelte sich Schritt für Schritt eine neue Form von „Gemütlichkeit 2.0“.

Besonders auffällig ist dabei die Rückkehr alter Hobbys. Stricken, Häkeln, Nähen oder Sticken erleben auf TikTok und Instagram ein regelrechtes Revival. Ebenso entdecken viele junge Menschen Hochbeete, Kräutergärten oder den eigenen Gemüseanbau für sich. Auch Spaziergänge im Wald, bewusste Naturerfahrungen oder kleine Auszeiten ohne Bildschirm gewinnen wieder an Bedeutung. Was früher oft als altmodisch galt, wird heute als beruhigend, sinnvoll und „echt“ wahrgenommen. Statt Dauerstress und permanenter Smartphone-Ablenkung stehen plötzlich Gespräche, Zeit im Garten, Natur und bewusstes Genießen im Mittelpunkt.

Spannend ist, dass viele dieser „Oma-Tätigkeiten“ sogar wissenschaftlich sinnvoll erscheinen. Selbst zu kochen bedeutet meist automatisch weniger Fertigprodukte, weniger Zucker und mehr frische Zutaten. Gleichzeitig vermittelt Kochen vielen Menschen ein Gefühl von Selbstständigkeit und Erfolg. Genau deshalb gewinnen traditionelle Rezepte wieder an Bedeutung – darunter auch Klassiker aus alten österreichischen Kochheften oder Gerichte, wie sie Franz Ruhm einst populär machte. Alte Rezeptideen treffen plötzlich auf moderne Social-Media-Trends.

Auch Gartenarbeit und Aufenthalte in der Natur erleben ein Revival. Bewegung an der frischen Luft, körperliche Aktivität und das bewusste Beobachten von Wachstum fördern nicht nur die körperliche Fitness, sondern helfen vielen Menschen auch psychisch beim Abschalten. Der Wald wird dabei für viele zu einem Gegenpol zur digitalen Dauerwelt. Dazu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: soziale Nähe. Gemeinsame Spieleabende, Kochen mit Freunden oder längere Gespräche ohne ständige Ablenkung gelten heute fast schon als Luxus. Forschungen zeigen seit Jahren, dass stabile soziale Beziehungen zu den wichtigsten Faktoren für Gesundheit und Wohlbefinden zählen.

Besonders spannend ist die Entwicklung im digitalen Bereich selbst. Social Media wird plötzlich genutzt, um Entschleunigung zu zeigen. Statt nur Luxus, Perfektion und Selbstoptimierung zu präsentieren, posten viele Menschen heute Videos vom Brotbacken, Einkochen, Kartenspielen, Waldspaziergängen oder gemeinsamen Familienessen. Authentizität schlägt Hochglanzinszenierung. Vielleicht erklärt genau das den Erfolg des Trends: Er verbindet analoge Wärme mit digitaler Sichtbarkeit.

Gleichzeitig hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Gastronomie. Einerseits wünschen sich Menschen wieder Gemeinschaft und Genuss, andererseits wird wieder öfter zuhause gekocht. Restaurants stehen daher zunehmend vor der Herausforderung, mehr als nur Essen anzubieten. Erlebnis, Atmosphäre und echtes Zusammensitzen gewinnen an Bedeutung. Geselligkeit 2.0 entsteht heute oft irgendwo zwischen Küchentisch, Spieleabend, Garten und Smartphonekamera.

Vielleicht steckt hinter Nonnamaxxing daher mehr als nur ein kurzfristiger Internettrend. Möglicherweise zeigt sich hier eine Gegenbewegung zu einer Welt, die immer schneller, digitaler und hektischer geworden ist. Die Sehnsucht nach einfachen Momenten, echtem Miteinander und bewusster Zeit scheint jedenfalls größer zu werden – und plötzlich wirken viele Dinge wieder modern, die man lange belächelt hat.